Astor Pantaleón Piazzolla - Startseite

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Der Weg zu sich selbst

"1954 beginnt Piazzolla sein Studium bei Nadja Boulanger in Paris: "Als ich sie traf, zeigte ich ihr meine vielen Sinfonien und Sonaten und sie sagte etwas Schreckliches: 'Es ist sehr gut geschrieben.' Nach einer langen Pause sagte sie: 'Hier bist du wie Stravinsky, wie Bartok, wie Ravel, aber weißt du was? Ich erkenne darin keinen Piazzolla.'

Und sie begann in meinem Privatleben zu forschen: Was ich tat, was ich spielte und nicht spielte, ob ich alleinstehend war, verheiratet oder mit jemandem zusammen lebte; sie war wie ein FBI-Agent! Ich schämte mich, ihr zu sagen, dass ich ein Tangomusiker war. Schließlich sagte ich: 'Ich spiele in einem Nachtclub.' Ich wollte nicht 'Cabaret' sagen...und ich wollte ihr nicht sagen, dass ich Bandoneon-Spieler war, weil ich dachte, sie würde mich dann aus dem vierten Stock schmeißen.

Schließlich gestand ich ihr aber meine Beziehung zum Tango und sie bat mich, einige Takte zu spielen und sagte: 'Du Idiot, das ist Piazzolla.' Und die ganze Musik, die ich in den letzten zehn Jahren komponiert hatte, beförderte ich ins Jenseits."


Im Argentinien seiner Jugend war Tango ein schmutziges Wort, es war die Unterwelt. Boulanger lehrt Piazzolla, an sich und seine Musik zu glauben und sich von dem beschämenden Gefühl zu befreien, das ihn als Tangomusiker stets begleitet hatte.

Statt sich zwischen klassischer und Tangomusik zu entscheiden, integriert er nun beide Richtungen in sein Werk: die Struktur anspruchsvoller, hochentwickelter Musik mit der Passion des Tango. Er komponiert weitere Tangos in Paris und nimmt einige davon mit dem Streichorchester der Pariser Oper auf.

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