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El Tango Nuevo

Piazzollas Rückkehr nach Argentinien 1955 leitet den Beginn des zeitgenössischen Tango ein. Er führt eigene Kompositionen wie "Tres minutos con la realidad", "Tango del ángel" und "Melancólico Buenos Aires" ein, arbeitet aber auch traditionelle Tangos um.

Sein neu gegründetes Ensemble "Octeto Buenos Aires" vereint zwei Bandoneons, zwei Violinen, einen Bass, Cello, Klavier und eine elektrische Gitarre. Die Neuinterpretation des Tangos - der "Tango nuevo" - und der Verzicht auf Sänger und Tänzer lassen ihn zur Zielscheibe erbitterter Anfeindungen orthodoxer Tangueros werden.

Piazzolla lässt sich von seinen Kritikern jedoch nicht beirren. In einem seiner letzten Interviews 1989 sagt er: "Ich habe nicht den Anspruch, dass es leicht ist, meiner Musik zuzuhören... Nach meiner Erfahrung sind die Leute, die meiner Musik folgen, Leute, die denken. Die Musik Piazollas ist zum Nachdenken, zum Glücklichsein. Nur sensible Menschen sind empfänglich für die Emotionen, die in meiner Musik stecken... die Jugend mag Piazzolla. Und sie mag Piazzolla, weil Piazzolla aufregend ist. Piazzolla ist keine feierliche Musik, sondern macht viel Mühe, sie ist dramatisch, drängt vorwärts, verhält sich nicht ruhig."

Im Gegensatz zu den traditionellen Tangos sind Piazzollas Stücke nicht im herkömmlichen Sinne tanzbar; sie fordern vielmehr zum konzentrierten Zuhören auf. Form und Satztechnik sind der Klassik entlehnt, erweitert mit Anleihen aus dem Jazz. Auch die Spieltechnik der Instrumente im Tango hat er ausgebaut, wobei das Bandoneon das charakteristische Instrument seiner Kompositionen bleibt.

Piazzolla hat das Vorbild des traditionellen Tango dekonstruiert und es in neuem Licht dargestellt. Trotz aller Neuerungen bleibt jedoch der Puls des Tango, seine typischen Rhythmen und harmonischen Wendungen, in Piazzollas Musik immer spürbar.

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